Beiträge zur Zeitgeschichte 2008

Ausgabe 23/2008: Grönland – auch ein internationaler Unruheherd?
Plötzlich ist auch Grönland in den Schlagzeilen. Ab Juni 2009 soll die arktische Insel eine „Selbstregierung“ bekommen. Ausgehandelt wurde das von einer Kommission, die sich aus Abgeordneten des dänischen Parlaments und des grönländischen Landtags zusammensetzte. Man glaubt in der Hauptstadt Nuuk (dänisch: Godthab) damit „sehr unabhängig“ zu werden, ähnlich wie die Färöer-Inseln, obwohl auch diese weiterhin zum Königreich Dänemark gehören. Die dänische Staatsbürgerschaft, die dänische Kronenwährung und die dänische Monarchie will und wird man nicht abstreifen. Doch die offizielle Amtssprache ist dann grönländisch. Für die drei Gymnasien, 86 Schulen und die weiteren Kindergärten oder Krankenhäuser wäre dann Nuuk zuständig. Ohne große finanzielle Spritzen aus Kopenhagen wird man aber weiterhin nicht auskommen. Doch greifen nicht bald andere Mächte nach Grönland, nachdem der „Kampf um den Nordpol“ eröffnet ist, zumindest laut SPIEGEL 38/2008?
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Ausgabe 22/2008: Neue Weltfinanzordnung oder gar Weltnachbarordnung?
Jetzt brüten sie über neuen Modalitäten, um die Weltwirtschaft vor dem Abgrund zu retten. Dieser Eindruck wurde zumindest erweckt, als die Vertreter der zwanzig bedeutendsten Industriestaaten der Welt zusammenkamen – ausgerechnet im sonst so verachteten Washington. Neu daran ist, dass nicht mehr die G 7 oder die G 8, sondern die G 20 die Zügel in die Hand nehmen will, dass also auch China und Indien dazugehören. Deren Anspruch ist, auf Dauer bei den „Großen des Geldes“ zu sein. Nicht neu ist allerdings, dass man wieder einmal die Welt ordnen will. Die einen denken mehr an die Weltfinanz- und Weltwirtschaftsordnung, die anderen gleich an die „Weltordnung“ der Staaten. Das 21. Jahrhundert reizt zu neuen Taten.
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Ausgabe 21/2008: Wird Bayern und Böhmen wieder europäisches Kernland?
Vor genau 25 Jahren trafen sich in Bad Füssing Persönlichkeiten aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die wegen ihrer eigenen Erfahrungen die verschütteten deutsch-tschechoslowakischen Beziehungen auf eine neue Grundlage stellen wollten. Sie gründeten die erste Deutsch-Tschechoslowakische Gesellschaft und wählten den Präsidenten der Universität Passau, Karl-Heinz Pollock, zum Vorsitzenden. Denn auch die neue und kaum für möglich gehaltene Universitätspartnerschaft zwischen Passau und Prag hatte dieser, gemeinsam mit einigen Politikern, im gleichen Jahr eingefädelt. Die spätere Umwandlung in den autonomen Landesverband Bayern der Deutsch-Tschechoslowakischen Gesellschaft e.V. war in Abstimmung mit ähnlichen Bemühungen in Nordrhein-Westfalen erfolgt. Seither führten Politiker den Vorsitz. Sie trugen mit mehr oder weniger deutlichem Erfolg zum Wandel der bilateralen Beziehungen bei.
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Ausgabe 20/2008: Vietnam – der besondere Partner Deutschlands
In Passau oder Vilshofen gibt es nur wenige Vietnamesen. Aber in deren Speiselokale geht man durchaus gerne. Denn die Welle für „Asia Food“ kommt ihnen entgegen. Vor mehr als vierzig Jahren erlebten die Italiener Ähnliches in Bayern. Doch was die Vietnamesen anbetrifft, so haben sie mit Deutschland eine ganz andere Beziehung. Das kam kürzlich auch wieder beim Besuch einer deutschen Wirtschaftsdelegation in Vietnam zum Ausdruck. Sogar das Bettenhaus Mühldorfer aus Haidmühle hat seine Verbindungen dorthin geknüpft.
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Ausgabe 19/2008: Als die CSU noch Weltpolitik im südlichen Afrika machte
Die heutigen Machtwechsel im südlichen Afrika laufen mehr oder weniger demokratisch ab. Während die Republik Südafrika den Übergang von Weiß auf Schwarz fast ohne Blutvergießen schaffte und auch der Machtwechsel von Nelson Mandela zu Mbeki und jetzt zu Motlanthe einigermaßen problemlos erfolgte, sind allerdings die anderen Staaten im südlichen Afrika, wie Namibia, Angola, Sambia, Simbabwe, Botsuana oder Mocambique, nicht immer frei von Terror und Bürgerkrieg gewesen. Dass die Großregion in den Zeiten des Ost-West-Konflikts auch Franz Josef Strauß und seine CSU auf den Plan gerufen hatte, gerät bei dessen Gedenkveranstaltungen aber fast in Vergessenheit.
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Ausgabe 18/2008: Und immer wieder ein Wahlkampfspektakel in den USA
Die „Obamanie“ der zurückliegenden Monate mit ihrem deutschen Höhepunkt am Brandenburger Tor fasziniert die einen und verstört die anderen. Sollte der dunkelhäutige Heilsbringer vom amerikanischen Volk am 4. November letztlich doch nicht gewählt werden, dann fühlen sich auch „die Deutschen“ betrogen. Denn ihnen wurde ein Wahlkampfspektakel serviert, das das Ergebnis schon vorwegnahm: wehe also, ein anderer kommt zum Zug. Aber Ähnliches fand schon oft statt.
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Ausgabe 17/2008: Vilshofen an der Donau und Franz Josef Strauß
Wer in den 1950er oder 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland den Namen Vilshofen erwähnte, bekam automatisch zur Antwort: „Ist dort nicht der Wolferstetter-Keller mit Franz Josef Strauß?“ Der alljährliche Politische Aschermittwoch, der damals noch den rustikalen bayerischen Charakter aufwies, hatte sich tief in die Nachkriegspolitik und bei den Medien eingeprägt. Etwas Derartiges gab es in der ganzen Republik nicht. Die meisten meinten damals, Franz Josef Strauß stamme aus Vilshofen oder habe zumindest einen größeren Teil seines Lebens dort verbracht.
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Ausgabe 16/2008: Die Landtagswahlen der letzten 60 Jahre im Raum Passau
In der Landtagswahl vor exakt dreißig Jahren hoffte die Passauer CSU unter ihrem Kreisvorsitzenden und Landrat Baptist Kitzlinger erneut darauf, zusätzlich zu den Direktabgeordneten Max Gerstl (Beutelsbach, Stimmkreis Passau-West) und Hermann Wösner (Passau, Stimmkreis Passau-Ost) zwei Listenmandate zu erobern. Dieses Kunststück war nämlich erstmals 1974 gelungen, als nach der Landkreisreform 1972 auch noch die Stimmkreisreform vollzogen worden war. Gebhard Glück aus der Stadt Passau und Klaus Rose aus der Stadt Vilshofen waren damals in Niederbayern so bekannt, dass sie mit jeweils circa 30.000 Stimmen in das Maximilianeum einzogen – Glück zum zweiten Mal und Rose als Neuling. Letzterer hatte in seiner Heimatstadt, die damals nur den alten Stadtbereich sowie das eingemeindete Aunkirchen umfasste, bei mehreren Dutzend Mitbewerbern als niederbayerische Listenkandidaten 68,3 Prozent aller Zweitstimmen bekommen.
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Ausgabe 15/2008: China durch Olympia auf dem Weg der Besserung?
Vor genau dreißig Jahren war auf eigene Faust eine Delegation von jungen Bundestagsabgeordneten aus SPD, FDP und CSU – darunter Michael Glos und Heide Simonis – im noch hermetisch abgeschirmten „Rot-China“. Die Begeisterung der einen für die „Fortschritte des Sozialismus im Entwicklungsland“ und die Ernüchterung der anderen über die beispiellose Armut im von Geschichte und Natur reichen Land prägten die dreiwöchige Rundreise. Seither hat sich äußerlich – auch ohne Olympische Spiele – Gewaltiges getan. Doch innerlich ist manches wie damals. Vor allem die Gewalt gegenüber Andersdenkenden ist dem kommunistischen System „immanent“, also vom Wesen her nicht auszuschließen. Doch wer fragt schon nach den Einzelschicksalen von Menschen, wenn Pracht-Silhouetten, Super-Feuerwerke, Medaillenglanz, Rekorde, auch Geschäftemacherei, die Sinne berauschen?
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Ausgabe 14/2008: „Sankt Marei“ und die deutsch-polnische Verständigung
Im Jahr 2004 trat Polen als eines der bevölkerungsreicheren Länder der Europäischen Union (EU) bei. Nicht immer kommen seither freundliche Töne aus Warschau. Die skeptische Haltung zur EU ist aber keine neue Erfahrung. Auch aus Bayern hört man seit Strauß und Stoiber mehr oder weniger massive Vorbehalte gegen Brüssel. Das gehört hier sogar zum guten Ton, ähnlich wie „gegen die da oben in Berlin“. Bayern und Polen passen also mehr zusammen als es meist wahrgenommen wird. Auch Sammarei, die „Wallfahrt zur Sankt Marei“, spielt inzwischen eine wichtige Rolle.
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Ausgabe 13/2008: Bewegt das Schicksal Simbabwes die deutschen Herzen?
Es ist erst wenige Tage her, dass die deutschen Medien voller Abscheu von der Entwicklung in Simbabwe berichteten. Die „Süddeutsche Zeitung“ ließ beispielsweise den Stellvertreter des Münchner Oberbürgermeisters, Hep Monatzeder von den Grünen, tapfer erklären: „Wir dürfen Harare nicht im Stich lassen.“ Der Politiker ist Vorsitzender des „Vereins München für Harare“, welcher sich seit längerem um die Partnerstadt im einst so fernen Afrika kümmert. Auch der jetzige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte schon mehrfach die Hauptstadt des schönen Landes im südlichen Afrika besucht und Sympathien bekundet. Aber jetzt? Akzeptieren deutsche Politiker den offensichtlichen Terror von Staatschef Robert Mugabe?
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Ausgabe 12/2008: Frankreich – vom Erzfeind zum Bündnisfreund
Der deutsch-französische Gipfel in Straubing ist noch in bester Erinnerung. Diese Residenzstadt des Herzogtums Niederbayern in der Zeit der auch bei den Wittelsbachern üblichen Erbteilungen hatte zu Beginn des 21. Jahrhunderts wieder einmal allerhöchste Gäste. Der französische Staats- und Regierungschef Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hielten sich zu routinemäßigen Konsultationen im Zentrum des Gäubodens auf. Ist Straubing damit zum Symbol für eine ganz normale Völkerfreundschaft geworden?
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Ausgabe 11/2008: Auch Parlamentarier spielen um den Europa-Titel
Ganz Deutschland befindet sich im Fußballfieber. Die kommenden Wochen entscheiden, wer dieses Mal die europäische Fußballkrone erhält. Geht es ähnlich spannend ab wie beim letzten Turnier, als der krasse Außenseiter Griechenland Europameister wurde? Die Deutschen hoffen natürlich auf ihre eigene Nationalelf, die BILD-Zeitung hat die Erwartungen knallhart beschrieben. Da lohnt sich der Blick auf ein Feld, das zwar den gleichen Ehrgeiz, aber nicht den entsprechenden Druck beinhaltet. Denn auch die bundesdeutschen Parlamentarier spielen immer wieder um einen europäischen Turniertitel, wenn auch weit bescheidener und weniger beachtet.
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